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21.03.2010, 15:00 Uhr

Nathan der Weise

Nach G. E. Lessing
Was ist Toleranz? Wann ist tolerantes Verhalten sinnvoll? Wie überzeugend ist Toleranz als Grundlage menschlichen Verhaltens?
Das sind die Fragen, die Lessings Nathan bewegen. Die Szene ist Jerusalem, schon immer ein vermintes Gelände, auf dem Gotteskrieger aus aller Welt ihren Einflussbereich abgesteckt haben und nun einen brüchigen Frieden halten. Auf den Linien des Waffenstillstands bewegt sich Nathan, der global agierende Geschäftsmann, und setzt sein Geld und seine so auf- wie abgeklärte Intelligenz ein, um nicht zwischen den Fronten zerrieben zu werden. In diese Fronten kommt Bewegung, als ein christlicher Soldat durch Jerusalem stolpert, vom Sultan aus zunächst unverständlichen Gründen begnadigt wird und daraufhin Nathans Tochter aus dem Feuer rettet. Der rohe Schwabe lernt von Nathan die Gesetze des menschlichen Miteinander und würde gerne von seiner Tochter Recha die Liebe lernen, doch so einfach entlässt der Autor seine Figuren nicht aus dem orientalischen Märchen: Recha und der Tempelherr sind am Ende Bruder und Schwester, einander verbunden und doch kein Paar. Lessing integriert sie in eine multikulturelle Kleinfamilie, patriarchalisch organisiert, unfruchtbar und mit der Hoffnung auf ein Zusammenleben, das sich auf die Kraft der Argumente gründet und den Glauben, man müsse nur eine gemeinsame Sprache finden, um alle Unterschiede aus dem Weg in eine bessere Zukunft zu räumen. Die Rede ist von Interessen und von der Versöhnung von Interessen.
 


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